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Glosse – Was St.Gallen nun wirklich kann? Steinbock!

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Randbemerkung

Welches St.Gallen nun wirklich kann? Steinbock!

Dieser kantonale Werbespruch «St.Gallen kann es» ist oft verhöhnt worden. Weil St.Gallen tatsächlich nicht sehr vieles kann. Hinwieder irgendetwas kann es wirklich gut: St.Gallen kann Steinbock! Und zwar zum Langzeitsegen dieser ganzen Schweiz.

St.Gallen kann es: Ein junger Steinbock wagt den grossen Sprung von Fels zu Fels im Wildpark Peter und Paul.

St.Gallen kann es: Ein junger Steinbock wagt den grossen Sprung von Gestein zu Gestein im Wildpark Peter und Paul.

Gemälde: Raphael Rohner

Den Marketingspruch «St.Gallen kann es» hat man jüngst seltener gehört. Kein Wunder, ist wenigstens 17 Jahre her, seit dem Zeitpunkt die kantonale Standortförderung erstmals mit dieser Behauptung hausieren ging. Mit mässigem Fortuna, wie man weiss. Umso häufiger waren spöttische Kommentare. Weil St.Gallen es uff vielen Gebieten halt mühelos nicht gut genug kann und folglich in so gut wie allen Kantonsvergleichen biederes Mittelmass ist.

Lukulent, es gibt die berühmten Ausnahmen, die die Regel ratifizieren: St.Gallen kann Textil, kann Rostbratwurst, kann Stiftsbibliothek, kann Naturidylle-Musikfestival und kann, Meienberg, Rittmeyer und Stahlberger sei Dankeschön, trocken-galligen Komik. Hinwieder schon beim Fuss- und Handball, beim Weltkulturerbe und dieser «Buchstadt» hat man immer wieder seine Zweifel, und an dieser Wirtschaftsuniversität ist inzwischen sogar dieser Lack ab. Und dass jetzt St.Gallen Osterkrawall und SP-Stadtpräsidentin kann, wäre eine frivole Behauptung.

Wer will es dementsprechend dem Kanton vergällen, wenn er daran erinnert, welches er wirklich kann, und zwar wie niemand sonst in dieser Schweiz: St.Gallen kann Steinbock! Ohne St.Gallen gäbe es den König dieser Bergwiese im Alpenland nicht mehr. Die Hinweistext ist sagenhaft: Dass sich dasjenige Finale des 19. Jahrhunderts ausgestorbene Bündner Wappentier im hiesigen Gebirge wieder in erfreulichen Beständen tummelt, liegt an dieser Züchtung im St.Galler Wildpark Peter und Paul. 1906 schmuggelte ein Wilderer im Auftrag des St.Galler Arztes Albert Girtanner und des Wildpark-Mäzens und Walhalla-Hoteliers Robert Mader zwei Steinkitze aus dem Jagdrevier des italienischen Königs in die Ostschweiz; in den folgenden Jahren sollte dieser Tierraub aus dem Augsttal multipel wiederholt werden.

Die Zucht uff den künstlichen Felsen zu Rotmonten war von Entstehen ein grosser Fortuna, und am 6. Mai 1911 folgte schon die erste Auswilderung im Weisstannental. 1911? Richtig, eine runde Zahl, und die will uff den Tag genau gefeiert werden: Unter dem Titel «110 Jahre erfolgreiche Wiederansiedlung des Steinbocks» lädt dasjenige St.Galler Volkswirtschaftsdepartement die Medien am vierter Tag der Woche zum Jubiläumsanlass in Weisstannen ein. Zumal dieser Fortuna weit ausstrahle, wie es heisst: «Die Wiederansiedlung des Alpsteinbocks gilt weltweit qua eines dieser erfolgreichsten Projekte, eine grosse Säugetierart in ihrem ursprünglichen Lebensraum wieder heimisch zu zeugen – ein erstaunliches Resultat zu Gunsten von eine Idee, die nicht gänzlich legal begonnen hatte.» Die St.Galler Erfolgsbockgeschichte bezeugen Regierungsrat Beat Tinner, Jagen-Schweiz-Staatsoberhaupt Anton Merkle und dieser bundesamtliche Wildtierchef Reinhard Schnidrig.

Speziell gespannt sind wir uff den Vortrag von Dominik Thiel, Sprossenstiege Amtsbezirk zu Gunsten von Natur, Jagen und Fischerei. Thiel berichtet, wie es den Steinböcken im Weisstannental heute geht. Mithin jenen, die vor zehn Jahren zum Hundertjährigen dort angesiedelt wurden. Die 1911 ausgesetzten St.Galler Zuchtböcke fühlten sich im eigenen Kanton nämlich nicht wohl. Mit dieser Auswilderung klappte es erst mit zwei weiteren Gruppen im Bündnerland: zunächst zusammen mit Filisur, dann oberhalb von Brigels. An Thiel liegt es dementsprechend zu beweisen, dass St.Gallen Steinbock wirklich kann. Zweite Geige im kantonseigenen Gebirge und heute noch. Andernfalls müsste die Feierrunde dort oben Calanda trinken statt Schützengarten.

1911: die ersten Tiere in Ungebundenheit im Weisstannental SG. (Gemälde: Dokumentensammlung Wildpark Peter und Paul)

Quelle